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Geologie im Westallgäu

    Vorwort
    Dieser geologische Bericht ist unseren Freunden Anni und Xaver Müller gewidmet, auf deren Bauernhof in Maierhöfen- Straß meine Familie und ich schon seit vielen Jahren regelmäßig Feriengäste sein dürfen. Insbesondere Xavers großes  Interesse an der Entstehung der unterschiedlichen Landschaftsformen seiner Heimat und seine “geologische Neugierde   haben mich veranlasst, eine zusammenfassende Erläuterung über die geologischen Verhältnisse im Raum Maierhöfen   zu erstellen.
    Der Bericht soll aber auch allen naturverbundenen Feriengästen und Einheimischen helfen, die geologischen Grundzüge  des Westallgäus zu verstehen und die Besonderheiten dieser schönen Alpenlandschaft kennen zu lernen. Mit diesen  Erläuterungen soll auch das Interesse des Lesers für eigene Geländebeobachtungen und Fragen nach dem   geologischen Aufbau der Landschaft wecken.
    Selbstverständlich kann dieser Bericht nur einen kurzen Abriss der Geologie des Westallgäus enthalten und nicht  allumfassend sein. Bei Anspruch auf Vollständigkeit, wird auf die einschlägige, umfangreiche Fachliteratur verwiesen.

 

Geologische Verhältnisse in der Umgebung von Maierhöfen
 

Die Gemeinde Maierhöfen liegt im Westallgäu etwa 5 km südlich der Stadt Isny.


       Stadtwappen Maierhöfen

 

Landschaft und Morphologie

Die Gemeinde Maierhöfen liegt im Westallgäu etwa 5 km südlich der Stadt Isny.

Das Westallgäu ist eine eiszeitlich geprägte Voralpenlandschaft mit einer lebhaften, unregelmäßigen Geländemorphologie. Die typischen Allgäuer Grasberge bestehen aus sanft geschwungenen Geländehügeln und meist länglich gestreckten sowie teils bogenförmigen Bergrücken.

Zwischen den Höhenzügen erstrecken sich teilweise weite, U-förmige Trogtäler mit schwach geneigten Hängen oder schmale, rinnenartige Kerbtäler mit steilen Hängen. Bereichsweise durchziehen aber auch tief eingeschnittene Schluchten und Tobel mit steilen Böschungen und imposanten Wasserfällen die Landschaft.
In flachen Geländeebenen und weiten Talsenken erstrecken sich ausgedehnte Sumpf- und Moorgebiete, die als “Ried” oder “Moos” bezeichnet werden.

Die Geländehöhen im Westallgäu liegen zwischen etwa 650 mNN und 1100 mNN.

Die Talebene von Maierhöfen liegt bei 739 mNN, von der aus sich die Riedholzer Kugel, der “Hausberg” von Maierhöfen, bis auf etwa 1065 mNN erhebt.

Die Landschaft in der Umgebung von Maierhöfen gehört zur Gesamtregion “Argental” mit dem weitverzweigten Gewässernetz der voralpinen Wildbäche Obere Argen und der Untere Argen.

Das Quellgebiet der Oberen Argen liegt in dem Hügelland nördlich von Oberstaufen. Hier vereinen sich mehrere kleine Nebenbäche zu einem größeren Wiesenbach. Nur wenige Kilometer weiter nördlich wird jedoch die Obere Argen zum Wildbach und stürzt bei Schüttentobel durch eine tiefe Geländeschlucht. Auf einer Länge von etwa 2 km hat der Wildbach hier einen tiefen Tobel gebildet, der zu dem geologisch bedeutenden und eindrucksvollen Naturschutzgebiet Eistobel erklärt wurde.

Am nördlichen Talausgang der Geländeschlucht, im Bereich der Tobelbrücke, biegt der Bachlauf aus seiner nördlicher Richtung nach Westen um und schlängelt sich durch die hügelige Landschaft des Argenbühl dem etwa 30 km entfernten Bodensee entgegen.

 

Die Untere Argen entspringt aus dem Höhenzug bei Missen-Wilhams. Der Wildbach, der von mehreren Nebenbächen gespeist wird, durchfließt das eiszeitlich gebildete Trogtal von Missen  in nördlicher Richtung. Bei Sibratshofen biegt die Untere Argen in östlicher Richtung um und durchbricht bei Klausenmühle die nach Norden gerichtete Talenge zwischen der Iberger Kugel im Westen und dem Sonneneck im Osten. In dem großen Talkessel von Isny ändert der Bachlauf endgültig seine Abflussrichtung nach Westen und durchfließt ebenfalls das Hügelland vom Argenbühl.

Westlich von Wangen vereinen sich die Obere Argen und die Untere Argen zu einem gemeinsamen Bachlauf, die Argen. Bei Kressbronn mündet die Argen in den Bodensee.

                                                

Geotektonische Einheiten

In der Umgebung von Maierhöfen treten nur die geologisch jungen Ablagerungen aus der Eiszeit (Quartärschichten) und die darunter anstehenden Molassegesteine (Tertiärschichten) zu Tage. Die älteren geologischen Schichten bleiben im Untergrund verborgen.

Für das Verständnis der geologischen Verhältnisse in den Voralpen sind die Grundlagen und  Zusammenhänge über den gesamten geologischen Bau der Alpen von besonderer Bedeutung. Zum besseren Verständnis der Geologie im Raum Maierhöfen werden deshalb nachfolgend die grundlegenden geologischen Einheiten des Allgäus beschrieben:

Im Bereich der heutigen Alpen existierte über lange geologische Zeiträume ein großes Meer, die Tethys. Im  Laufe mehrerer 100 Millionen Jahre wurden in diesem Meer Sedimente abgelagert. In den Randzonen bildeten sich kalkreiche Flachwassersedimente  und in den tieferen Zonen feinkörnige Tiefseesedimente.

Im Tertiär (ca.65 Mill. bis 2 Mill. Jahre vor heute) entstanden durch gewaltige gebirgsbildende Kräfte (Orogenese) die Gebirgsmassive der heutigen Alpen. Die Gesteinseinheiten der Alpen wurden dabei geotektonisch von Süden nach Norden zusammengeschoben und in Form von tektonischen Decken zu dem heutigen Hochgebirge übereinandergestapelt. Die unterschiedlichen weichen und harten Gesteinsschichten wurden dabei, vergleichbar einem zusammengeschobenen Tischtuch, stark verfaltet und  bereichsweise übereinander geschoben. Teilweise wurden die Gesteinspakete auch von ihrem ursprünglichen Untergrund abgeschert und als große zusammenhängende geologische Decken weit nach Norden verschoben und übereinander gestapelt. Bereichsweise sind verschieden alte Gesteinsschichten auch ineinander geschoben und verschuppt worden.

Heute liegen die ehemals weiter im Süden entstandenen, älteren Gesteinseinheiten über den im Norden verbreiteten jüngeren Ablagerungen. Dementsprechend spricht man in den Allgäuer Alpen von “tieferen” (jüngeren) und “höheren”(älteren) tektonischen Einheiten.
Gleichzeitig mit dem Herausheben des gesamten Alpenkörpers senkte sich im Vorland der Alpen ein großes Sedimentationsbecken ein, in dem die Molassegesteine abgelagert wurden.

Im Allgäu werden vom Jüngeren zum Älteren, d.h. von Norden nach Süden folgende geotektonischen Gesteinseinheiten unterschieden:

Norden Voralpen: Molassezone 

      Alpen: Flysch-Zone  

          Helvetikum und Ultrahelvetikum

          Arosa-Zone

          Oberostalpin  

Geologisch gesehen liegt Maierhöfen am Südrand der Voralpenzone im Übergangsbereich der ungefalteten Molassegesteine zu den am Alpenrand tektonisch verfalteten Molasseschichten. Nachfolgend wird der geologische Aufbau der Molasse-Zone ausführlich beschrieben. 

 

MOLASSE-ZONE

Molassegesteine:

Die nördlichste und somit jüngste tektonische Einheit im Westallgäu stellt die tertiäre Molasse-Zone dar.

Im Tertiär, vor etwa 65 Mill. bis 2 Mill. Jahre, begann sich der zentrale Alpenraum tektonisch zu heben. Gleichzeitig mit dem Aufstieg des Alpengebirges senkte sich im Norden parallel vor dem jungen Gebirge ein großes “neues” Sedimentationsbecken ein. Dieses West-Ost gerichtete, mehrere hundert Kilometer lange und etwa 120 km breite Molassebecken erstreckte sich am Alpennordrand bis zum Bayerischen Wald im Osten und bis zur Schwäbischen Alp im Norden.

Das Molassebecken stand im Tertiär mehrfach mit den offenen Weltmeeren in Verbindung. Neben den Meeressedimenten wurden in dem Trog aber auch Flusssedimente aus der Alpenregion eingeschwemmt. Die gewaltigen Alpenflüsse bildeten mächtige Sand-, Kies- und Schotterablagerungen aus den verwitterte und erodierte Alpengesteinen.

Im Laufe des Tertiärs kam es somit in dem Molassebecken zu einer wiederholten Wechsellagerung von feinkörnigen, kalkigen Meeressedimenten (Meeresmolasse-Gesteine) und grobkörnigen Flussschottern (Süßwassermolasse-Gesteine).

In dieses tektonische Senkungsgebiet wurden in vier nacheinander folgenden Sedimentationsphasen marine (Meeresablagerungen) und fluviatile (Flussablagerungen) Lockergesteine in Form von Schlamm-, Sand-, Kies- und Schotterschichten abgelagert. In dem Molassetrog werden vom Jüngeren zum Älteren folgende Molasseschichten unterschieden:

 

    Molasseschichten                     Zeitstufen im Tertiär

  • Obere Süßwassermolasse       (OSM)   [Oberes Miozän]
  • Untere Süßwassermolasse      (USM)    [Oberes Oligozän, Miozän]
  • Obere Meeresmolasse              (OMM)   [Miozän]
  • Untere Meeresmolasse             (UMM)   [Oligozän]

Nachfolgend werden die Grundzüge der Entstehunggeschichte  des Molassetroges mit seiner Gesteinsabfolge beschrieben:

     

Untere Meeresmolasse (UMM)

In das große tektonische Senkungsgebiet drang im Oligozän (Alttertiär) ein Meeresausläufer vor und bildete nördlich der Alpenregion ein großes Binnenmeer. Über den vorhandenen älteren Juragesteinen des Beckenuntergrundes lagerten sich die marinen Sedimente der Unteren Meeresmolasse ab.

In den küstenfernen, tiefmeerischen Bereichen kam es gleichzeitig zur Bildung mächtiger Schlick- und Schlammablagerungen, aus denen später verfestigten Tonmergel-Schichten hervorgegangen sind. Mit der Zeit füllte sich das Tiefseebecken nach und nach mit Sedimenten auf und es bildeten sich randliche Flachmeerbereiche aus. Aus der südlich gelegenen Alpenregion transportierten gleichzeitig gewaltige Alpenflüsse Erosionsmaterial (Schotter, Kiese, Sande) in das Meer, wodurch es später nach der Verfestigung der Gesteine zur Entstehung mächtiger karbonatischer Sandsteine (Baustein-Schichten) kam.

 

Untere Süßwassermolasse (USM)

Über der Unteren Meeresmolasse kam es zur Ablagerung der Unteren Süßwassermolasse (USM).

Der südlich gelegene Alpenraum wurde im Zuge der Gebirgsbildung weiter tektonisch angehoben; in Folge  dessen wurden zunehmend gröbere Geröll- und Schuttmassen als Abtragungsprodukte durch die Alpenflüsse in das Senkungsgebiet des Molassetroges verfrachtet.

Nachdem das Meer aus dem westlichen Teil des Molassebeckens verdrängt war, wurde das Senkungsgebiet nicht nur von den nordwärts gerichteten Alpenflüssen, sondern auch von großen Flussläufen in östlicher Richtung durchzogen. Diese großen Flüsse mündeten im heutigen Bereich von München in das östlich gelegene, zurückgedrängte Molasse-Meer.

Im oberen Oligozän und im unteren Miozän entstanden somit die mächtigen fluviatilen Schlamm-, Geröll- und Schotterablagerungen der Unteren Süßwassermolasse.

Zu dieser Formation gehören die Ablagerungen der weitverbreiteten, typisch rot verfärbten Tonmergel und Sandsteine. Auch die gelblich-bräunlichen granitischen Molasseschichten stellen typische Sedimente der Unteren Süßwassermolasse dar.

Am Alpenrand bildeten sich gleichzeitig die typischen  Schichten aus Nagelfluh (verfestigte Schotterschichten) und Konglomeraten.

 

Obere Meeresmolasse (OMM)

Nach anhaltender tektonischer Absenkung des Molassetroges im Miozän drang wieder Meereswasser von Westen aus dem Gebiet des Aare-Massivs und von Osten aus dem Wiener Becken über die bisher abgelagerten älteren Gesteine der Unteren Süßwasser-molasse. In dieser Phase wurden in tieferen Meeresbereichen glaukonitischen Sande und Sandmergel und in Flachmeerbereichen die fossilienreichen Muschel-Sandsteine der Oberen Meeresmolasse gebildet.

Die Ablagerungen der Oberen Meeresmolasse erstrecken sich bis auf die Schwäbische Alp, wo das Molasse-Meer an den Jurakalkgesteinen der Schwäbischen Alp durch Meeresbrandung eine Steilküste erzeugte. Diese Brandungszone ist heute noch über weite Bereiche auf der Alp in Form eines Kliffs erhalten.

 

Obere Süßwassermolasse (OSM)

Nach dem wiederholten Rückzug des Meeres aus dem Molassetrog im oberen Miozän wurden wieder von gewaltigen Flussläufen aus den Alpen Sand-, Kies- und Schottersedimente gebildet. Diese Ablagerungen werden als Oberen Süßwassermolasse bezeichnet.

Die nordwärts gerichteten Alpenflüsse vereinigten sich im nördlichen Molassebecken mit einem großen Flusssystem, das nun nicht mehr nach Osten, sondern in westliche Richtung entwässerte. Dieser “Ur-Rhein” mündete im Rhone-Becken in das sich immer weiter zurückziehende Meer.

Zwischen Isny und Kempten bildete sich in dieser Zeit ein mächtiger nordwärts gerichteter Schwemm- und Schuttfächer aus einer Wechselfolge von Mergelgesteinen und groben Schottermaterial sowie Nagelfluhgesteinen. Das Gesteinsmaterial stammt aus dem Gebiet der Nagelfluhkette am Hochgrat, das von der Ur-Iller weit in das voralpine Molassebecken transportiert wurde. Heute tritt dieser gewaltige Schuttkörper landschaftlich deutlich hervor und bildet das Adelegg-Bergland mit dem Schwarzen Grat (1118m) als höchsten Gipfel.

 

Tektonik:

Durch diagenetische Prozesse, insbesondere durch kalzitisches (kalkreiches) Bindemittel, sind die tertiären Lockergesteine zu harten Molassegesteinen verfestigt worden.

Aus Tonablagerungen und kalkigen Schlammschichten entstanden Mergelsteine.

Lockere Sandsedimente wurden durch Kalzit zu Sandsteinen verfestigt.

Die Kies- und Geröllschichten wurden durch das kalkige Bindemittel zu Konglomeraten verbacken. Diese harten “betonähnlichen” Molassegesteine werden als Nagelfluh bezeichnet.

Schon während der Ablagerung der Sedimente in dem Molassebecken und während der Gesteinsverfestigung setzte am Alpenrand durch den Nordschub der alpinen Deckenstapel die Verfaltung und die Aufrichtung der Molassegesteine ein. Durch horizontale tektonische Einengung wurden die Gesteinspakete vergleichbar wie ein Tischtuch von Süden zusammengeschoben, aufgefaltet und aus ihrer ursprünglich horizontalen Lage mehr oder weniger steil aufgestellt.

In Abhängigkeit der tektonischen Beanspruchung der Molassegesteine werden drei Molasse-Zone unterschieden.

 

  • Vorland-Molasse           = ungefaltete Gesteinsschichten
  • Aufgerichtete-Molasse   = schräg einfallende Gesteinsschichten
  • Subalpine Molasse        = verfaltete Gsteinsschichten

 

Vorland-Molasse
Die Gesteine der Vorland-Molasse, die weit im Alpenvorland verbreitet sind, wurden nicht von den gebirgsbildenden Prozessen der aufsteigenden Alpen erfasst . Diese Gesteinsablagerungen werden daher auch als ungefaltete Molasse bezeichnet.

Die Gesteinsschichten der Vorland-Molasse liegen unverändert horizontal auf ihrer ursprünglichen Unterlage auf und bedecken mit großer Schichtmächtigkeit das gesamte Molassebecken zwischen dem Allgäu und der Schwäbischen Alp.

 

Aufgerichtete-Molasse
Die Aufgerichtete-Molasse tritt nur in einem schmalen Landschaftsstreifen am Südrand der Vorland-Molasse im Übergangsbereich zur sog. Subalpinen-Molasse auf. In der Aufgerichteten-Molasse sind die Gesteinsschichten durch die gebirgsbildenen Prozesse aus ihrer horizontalen Lage mehr oder weniger herausgehoben worden. Die Schichtpakete  weisen generell ein nördliches Einfallen mit bis zu 35° auf.

 Die Übergangszone zwischen der ungefalteten Vorland-Molasse im Norden und der Aufgerichteten-Molasse im Süden befindet sich im Bereich von Maierhöfen. In dem  nahgelegenen Naturschutzgebiet Eistobel, dem tief eingeschnittenen Wildbachtal der Oberen Argen, sind die schräg aufgerichteten Schichten der Molassegesteine in geologischen Aufschlüssen freigelegt. Die Einfallswinkel der nach Norden geneigten Schichten nehmen in dem nur 2 km langen Tobel von 5° am nördlichen Ende des Tobels bis auf 35° am südlichen Ende bei Schüttentobel zu.

 Der langgestreckte Bergrücken südlich von Maierhöfen mit den Gipfeln Laubenberg (919 m), Iberg (950 m), Riedholzer Kugel (1069 m) und Iberger Kugel (1013 m) wird von den Gesteinsschichten der  Aufgerichteten-Molasse gebildet.

 

Subalpine-Molasse
Der südliche, alpennahe Teil der Molasse-Zone besteht aus der  Subalpinen-Molasse, auch Faltenmolasse genannt.

Diese überwiegend aus groben Schotterablagerungen (Konglomerate, Nagelfluh) bestehenden  Molassegesteinen wurden am stärksten von der alpinen Gebirgsbildung erfaßt. Von den nach Norden drängenden Gesteinsformationen und Deckenstapeln der Alpenregion wurden die Gesteine der Subalpinen–Molasse vor sich hergeschoben und dabei stark verfaltet und z.T. von dem Untergrund ihres ursprünglichen Ablagerungsraumes abgeschert. Die Schichten der Subalpinen Molasse sind dabei in unterschiedlich steile Gesteinspakete verstellt worden. Im Gegensatz zur Aufgerichteten-Molasse weisen die Nagelfluh-Gesteine der Subalpinen-Molasse ein südliches Schichteinfallen auf.

 Die Subalpine-Molasse wird im Westallgäu von der mächtigen Südwest – Nordost gerichteten Nagelfluh-Bergkette gebildet. Zu den bedeutendsten Gipfeln gehören von Westen nach Osten: Hochhäderich (1565 m), Eineguntkopf (1639 m), Seelekopf (1683 m), Hochgrat (1834 m), Rindalphorn (1821 m), Stuiben (1749 m), und der Mittagberg (1451 m).

 

Verbreitung und Mächtigkeit:

Nördlich von Maierhöfen sind die im Untergrund verbreiteten Molasseablagerungen vollständig von jungen eiszeitlichen Gesteinsschichten überdeckt.

Jedoch südlich von Maierhöfen treten die Molasseschichten zu Tage und bilden im Bereich der Aufgerichteten-Molasse und der Subalpinen-Molasse die oben genannten voralpinen Berggipfel und Bergketten.

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Zur Verdeutlichung der Schichtmächtigkeiten der Molasseschichten im Westallgäu sind nachfolgend die Schichtformationen der geologischen Erkundungsbohrung Opfenbach 1 angegeben. Die Bohrstelle liegt etwa 17 km westlich von Maierhöfen:

 

         Mächtigkeit Molasse-Gesteine                           Geologische Zeit
    -------------------------------------------------------------------------------------------------------

       810 m Obere Süßwassermolasse (OSM)           [Oberes Miozän / Pliozän]

       250 m Obere Meeresmolasse (OMM)               [Miozän]

           2330 m Untere Süßwassermolasse (USM)          [Oligozän / Miozän]

      150  m Unter Meeresmolasse (UMM)               [Oligozän]

     

 

 

 

FLYSCH-ZONE

Die nächst höhere geologische Einheit im Allgäu stellt die sogenannte Flysch-Zone dar, die aus zwei Teilgebieten, der sog. Nördlichen und Südlichen Allgäu-Vorarlberger Flyschzone besteht. 

Die Flyschsedimente wurden bereits im Alttertiär und in der Kreide abgelagert. Es handelt sich um Wechselfolgen von kalkreichen, feinkörnigen Gesteinen. Die Tonsteine, Mergel und tonigen Sandsteine wurden ehemals in schmalen Tiefseetrögen abgelagert.

Im Zuge der Gebirgsbildung sind die typischen dunklen Flysch-Tonsteine und Flysch-Mergel als zusammenhängende Gesteinsdecken weit nach Norden verfrachtet worden.

Die Flyschgesteine bilden meist dicht bewaldete, kuppige bzw. rundliche Vorberge vor den Kalkalpen. Durch die tonig-mergeligen Schichten wird ein rasches Versickern von Niederschlagswasser verhindert. In Folge dessen hat das oberflächlich abfließende Wasser zahlreiche tiefe Tobel in die Hänge der Flyschberge  eingeschnitten.

Zu der nördlichen Flyschzone gehören die Berggipfel zwischen Balderschwang und Sonthofen. Typische rundliche Berge aus Flyschgesteinen stellen der Feuerstätter Kopf (1645 m), der Gelbhansekopf (1440 m), das Riedberghorn (1768 m), der große Ochsenkopf (1662 m) und die Hörnerkette zwischen dem Bolsterlanger Horn (1588 m) und dem Ofterschwanger Horn (1406 m) dar.

Das südliche Verbreitungsgebiet der Flyschgesteine liegt im Kleinwalsertal an der Nordflanke der Kanzelwand (2054 m), dem Fellhorn (2037 m), dem Schlappoltkopf (1958 m) und dem Söllereck (1706 m).

 

HELVETIKUM-ZONE

Zeitgleich mit den Ablagerungen der tonigen Flyschsedimente in Tiefseetrögen sind in flachen Meeresbereichen der Tethys die kalkreichen Gesteine des Helvetikums entstanden.

Die korallenreichen Gesteine sind von der Nordschweiz über den Vorarlberg bis ins westliche Allgäu weit verbreitet. 

Die markantesten Berge des Hevetikums im Allgäu bestehen aus dem hellgrauen bis weißlichen Schrattenkalk. Von besondere geologischer Bedeutung ist das stark verkarstete Schratten- und Karrenfeld des Gottesackerplateaus und die mächtigen, hellen Kalksteinpakete des Hohen Ifen (2230 m), des Diedamskopf (2092 m), der Unteren und Oberen Gottesackerwände sowie des Grünten (1738 m).

 Über dem Helvetikum liegen die Gesteine der kleinen Einheit des Ultrahelvetikums, die ursprünglich weiter im Süden abgelagert wurden.

Im Kleinwalsertal wird das Helvetikum und Ultrahelvetikum von der oben beschriebenen südlichen Flysch-Zone überdeckt.

 

AROSA-ZONE

Die Arosa-Zone hat zwischen der südlichen Flyschzone und dem Nordrand des Allgäuer Hochalpins nur ein sehr schmales Verbreitungsgebiet. Zu dieser tektonischen Decke gehören typisch rötliche, vulkanische Gesteine (Diabas-Porphyrite) aus der Trias-, Jura- und Kreide-Zeit.

Solche vulkanischen Gesteine kommen im Kleinwalsertal  z.B. zwischen dem Kleinen Widderstein (2258 m) und dem Bärenkopf (2080 m) vor.

 

OBEROSTALPIN-ZONE

Die morphologisch höchste Einheit im Allgäu bilden die Kalk- und Dolomitgesteine des Oberostalpins.

Ursprünglich wurden die Kalkgesteine (Wetterstein-Kalk, Hauptdolomit und Plattenkalk) des Oberostalpins während der Triaszeit in einem flachen Schelfmeer im südlichen Bereich der Alpen abgelagert. Bei der Gebirgsbildung sind diese Gesteinsformationen weit nach Norden über die tieferen Einheiten der Allgäuer Decken geschoben worden. Dabei ist das Kalkalpin in einzelne tektonische Schuppen und Decken zerlegt und seinerseits gefaltet worden.

Oberhalb der Arosa-Zone erheben sich steil die markantesten Gipfel des Allgäus. Hierzu gehören der Widderstein (2533 m), der Zwölfer Kopf (2208 m), das Nebelhorn (2223 m), der Große Daumen (2280 m) und der Hochvogel (2593 m).

Im Ostallgäu bei Pfronten reicht das Kalkalpin nahezu bis an den Nordrand der Alpen und überdeckt hier im Gegensatz zum Westallgäu alle anderen alpinen Einheiten.